Navteq Kartendaten Erfassung für mobile Navigationsgeräte

Kein mobiles Navigationsgerät würde funktionieren ohne die in ihm gespeicherten digitalen Karten. Egal, ob Sie nur zum nächsten Geschäft fahren wollen oder in den Urlaub nach Spanien. Ohne digitales Kartenmaterial geht nichts. Aber nur die wenigsten wissen, wie viel Aufwand hinter der Erstellung und Pflege solcher Kartendaten steckt. Bei der Firma Navteq sind hunderte Geographen im Einsatz.

Woher aber weiß das mobile Navigationsgerät dies alles? Wie kommt es an die vielen Daten, um einen Autofahrer zuverlässig durch den Stau zu leiten? Ob Tempo 30 oder Einbahnstraße all diese Daten kann man nicht von eventuellen Lufbildern oder anderen Straßenkarten abscannen. Sie stehen auch in keinen Verzeichnis vom Amt, und außerdem ändern sie sich ständig.

Um all das zu erfassen, was die Fahrzeugnavigation wirklich ausmacht, muss immer wieder jemand vor Ort sein, der weiß, worauf es ankommt. Wenn allein die Stadt München aus über 6000 Straßen bestehen, werden auch sich sagen, dass ein „Vor Ort“ leichter gesagt als getan ist.

Die im Jahr 1985 gegründete Navteq Firma gilt als Pionier der Geodaten, die speziell für die Fahrzeugnavigation erfasst werden. Es wurden bisher 19 Millionen Straßenkilometer in 69 Ländern als Kartenmaterial aufgenommen. Allein 700 Geoanalysten sind täglich mit dem Auto unterwegs, um die riesige Datenbank aktuell zu halten.

Viermal im Jahr werden die gesammelten Daten abschließend qualitätsgeprüft und an die Lizenznehmer weitergegeben. Navteq ist extrem dezentral strukturiert, denn allein in Deutschland kümmern sich rund 60 Geoanalysten eigenverantwortlich um ihre Gebiete. Die Navteq Mitarbeiter müssen sich in ihrer Gegend hervorragend auskennen und persönlich für die Qualität ihrer Daten bürgen. Bevor ein Land bis in die letzte Nebenstraße erfasst ist, werden vier Genauigkeitsstufen durchlaufen. Zunächst geht es um die Hauptstraße und die Wege von dort in die wichtigsten Stadtzentren. Dann werden der Reihe nach die wichtigsten Straßen erfasst, bis alle Straßen mit sämtlichen Attributen in der Datenbank vorliegen.

Ein „Link“, so heißt die kleinste Streckeneinheit in der Datenbank, umfasst bis zu 204 Attribute (von Straßennamen über Abiegeverbote, Anzahl der Fahrspuren bis hin zur Art des Straßenbelags und der jeweiligen Geschwindigkeitsbegrenzung).

Wenn man weiß, dass ganz Deutschland über 7 Millionen „Links“ umfasst und jeder „Link“ 204 Attribute mitbringen kann, wird man sich der Komplexität der Datenbank bewusst.

Daten sammeln per Auto und Notebook

Alle Geo- Analysten sind mit einem Notbook ausgerüstet. Bevor ein Abschnitt kontrolliert oder aufgenommen wird laden sie sich in einen ihrer neun Büros in Deutschland den Ausschnitt der Landkarte, den sie gerade aktualisieren wollen, von der zentralen Datenbank in den USA herunter.

Zu zweit machen sich die Mitarbeiter auf den Weg, wobei einer fährt und der andere dokumentiert. Während das Auto durch ein Neubaugebiet rollt, sieht der Mitarbeiter auf dem Notbook anhand von grünen Dreiecken die zurückgelegte Strecke und die aktuelle Position auf den Meter genau. Da, eine neue Straße der Geoanalyst drückt einen Knopf und spricht den neuen Straßennamen in sein Headset. Genau an der Stelle, wo sich der PKW in diesem Moment befand, taucht nun ein Lautsprechersymbol auf dem Display auf. Die Aufnahme ist exakt georeferenziert, also mit genauen Längen- und Breitengraden versehen.

Später beim Nacharbeiten der Daten wird der Mitarbeiter sich die Aufnahme anhören und den Kommentar in die Datenbank übernehmen. Entdeckt der Mitarbeiter ein neues Verkehrsschild, tippt er auf das Grafiktablett, öffnet eine Liste der Schilder und wählt das passende aus. Auch dieser Eintrag ist georeferenziert.

Weltweit werden einheitliche Regeln befolgt, alle Daten müssen genau den Vorschriften entsprechen. Zur Aktualisierung der Datenbank werten die Spezialisten neben Informationen der zuständigen Behörden sowie eigenen Recherchen auch Hinweise von Endkunden aus.

Jede Meldung wird dann individuell vom jeweils zuständigen der neun Regionalbüros bearbeitet, mit der Navteq Datenbank abgeglichen und gegebenfalls korrigiert. „Endkunden“ können für Navteq eine wertvolle Unterstützung bei der fortlaufenden Aktualisierung, Pflege und Verbesserung der Navteq-Datenbank sein und mit gezielten Meldungen zur Präzision der Kartendaten aus ihrem unmittelbaren Umfeld beitragen.

Bevor der aktualisierte Datensatz schließlich an Becker, Garmin, Medion und Navigon weitergegeben wird, durchläuft er nochmals einen hochkomplizierten Qualitätscheck.

Was die Kunden von Navteq mit den gekauften Geodaten machen, kann der Urheber der Daten nicht beeinflussen. Auch mit gutem Kartenmaterial kann eine schlechte Routenplanung entstehen.

Bis die Endkunden schließlich die neuen Karten auf ihren mobilen Navigationsgeräten verwenden können, vergeht derzeit noch bis zu einem halben Jahr, deswegen arbeiten Geoanalysten vorrausschauend. Befindet sich ein neuer Autobahnabschnitt noch im Bau, muss abgeschätzt werden, ob er bei Veröffentlichung des neuen Kartenmaterials schon in Betrieb sein wird.

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